Kumehner Kirche 1944

Kumehnen
Dorf und Kirche im Samland

Förderverein Kumehnen / Kumatschjowo e.V.

Kumehner Kirche 2004
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Im ehemaligen deutschen Nord-Ostpreußen gab es 224 Gotteshäuser:
Im Jahre 2000 sind 91 Kirchen völlig vernichtet und 67 sind Ruinen.
Nach Beendigung der Kriegshandlungen im Jahr 1945
waren 134 Kirchen gänzlich unversehrt (60%).
70 Kirchen waren mehr oder minder beschädigt.
Die Mehrzahl der zerstörten und beschädigten Kirchen befand sich in Königsberg.
Heute sind noch 66 Kirchen vorhanden (30%), davon sind einige in recht gutem Zustand,
aber mindestens 10 Gotteshäuser sollten bald restauriert werden,
darunter auch die alte Ordenskirche in Kumehnen.

Anatolij Bachtin und Gerhard Doliesen haben in ihrem Buch
“Vergessene Kultur - Kirchen in Nord-Ostpreußen”
(3. Auflage 2000 Husum-Druck, ISBN 3-88042-849-2)
alle Kirchen des Kaliningrader Gebietes
mit vielen Abbildungen beschrieben.

Die Vernichtung einer europäischen Kultur am Ende
der fast 700-jährigen deutschen Geschichte Ostpreußens
auf dem Gebiet, das an Russland fiel,
wird wohl allen Menschen zu denken geben müssen,
Deutschen und Russen und allen Menschen,
die guten Willens sind.

“Wenn Russen und Deutsche jetzt nicht wenigstens
den Versuch unternehmen, den noch verbliebenen geringen Teil
des kulurellen Erbes Ostpreußens zu retten,
verlieren wir alle gemeinsam die wichtigsten
kulturgeschichtlichen Denkmäler dieses Landes.
... nicht nur eine Aufgabe von Russen und Deutschen,
sondern zugleich eine gesamteuropäische Aufgabe,”
fordert Anatolij Bachtin.

Doch die Zeit heilt auch Wunden.
Im Juni 2009 ist unser Lothar Dufke von vielen jungen Russen
angesprochen worden. Sie alle wollten u. a. wissen:
“Was war vor 1945 hier in Kumehnen los? Wer hat dort gewohnt?
Wie haben die Deutschen hier gelebt? Haben Sie Bilder aus dieser Zeit?”
In Rauschen war es nicht anders.
Das Fazit ist erfreulich:
Die Russen sagen rundheraus, dass das Königsberger Gebiet bis 1945 deutsch war.
Die Polen in Masuren haben da eine andere Sicht.

 

Und heute - Anfang des Jahres 2014 muss der Unterzeichner feststellen:

Alle Bemühungen, das Kulturgut “Ordenskirche Kumehnen”
zu erhalten, sind fehlgeschlagen.
Von russischer Seite sind keine Versuche unternommen worden,
uns bei unseren Bemühungen zu helfen.
Schade, denn unsere Lebenszeit ist endlich.

Ich wurde in dieser Kirche 1935 getauft.
Meine Familie wohnte direkt an der Kirche.
Am 30. Januar 1945 abends um 20.30 Uhr haben wir
bei hellem Mondschein und eisiger Kälte
unser verschneites Dorf Kumehnen verlassen.
Da stand unsere Kirche heil und heilig wie ein Mahnmal trutzig vor uns.
Wir mussten westwärts ziehen,
weil die Granateinschläge der russischen Armee
unaufhaltsam näher kamen.
Ein Abschied für ein ganzes Leben - mit neun Jahren.

Lothar Dufke

 

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